Blog von K. Vogt
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Sexualität und Kirche

27/6/2022

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grunWenn wir die vielen Kritiken an der röm.kath. Kirche anschauen, dann geht es meist um zwei Dinge. Das eine ist die Frage der Macht und das andere ist die Frage der Sexualität. 
Lassen wir an dieser Stelle die Machtfrage ein wenig an der Seite: Macht kann sowohl positiv als auch negativ ausgeübt werden. Und die Kirche hat beide Seiten gezeigt. Macht an sich ist nicht negativ, sondern was daraus gemacht wird. Und es gibt auch die Macht zu verhindern, dass Fortschritte gemacht werden, sich etwas verändert, Ansprüche gestellt werden. Es gibt die Macht sich hinter andern zu verstecken und sich "positiv" darzustellen usw. Es gibt die Macht des Wortes: positiv oder negativ. Die Frage ist, was daraus gemacht wird! Und es gibt auch die Macht der Finanzen: Wer bezahlt, der befiehlt - und dann hat der Ausführende fast keine Chance. In der röm. kath. Kirche gibt es die Macht der Bischöfe  und dann gibt es die Macht der Körperschaften mit den Finanzen und dem administrativen Bereich. Beides kann positiv und negativ umgesetzt werden. Für die Bischöfe würde dies im Positiven bedeuten in der Schweiz eine einheitliche Meinung einzunehmen zum Schutze und der Förderung des Lebens und alle Mitarbeitenden hinzuführen, dass sie Dienende sind. Für die Körperschaften würde dies bedeuten alles zu unternehmen und die Bischöfe hierbei zu unterstützen und gemeinsame Spielregeln aufzustellen und Finanzen für das Wesentliche zu sprechen im Dienste der Seelsorge und der Glaubensgemeinschaft.
Und dann gibt es die Frage der Sexualität. In unserer Gesellschaft wird die Sexualität dermassen ins Zentrum gestellt, dass sich die Frage stellt: welchen Stellenwert hat sie wirklich im Leben. Es gibt kaum mehr Filme usw. ohne Sexszenen (ist dies Sexualität?), es gibt kaum mehr Stellungnahmen ohne Fixierung auf eine sexuelle Orientierung, usw. . - Doch sind wir ehrlich: hat die Sexualität wirklich einen solchen Stellenwert im Leben von mehr als 80%? Besteht nicht unser Leben und seine Fragen aus vielen anderen Lebensbereichen und Werten?
Die röm. kath. Kirche ist anno dazumal in verschiedene Fallen geraten. Der hl. Augustinus hat im 4. Jahrhundert ein exzessives sexuelles Leben geführt (lesen Sie seine "Bekenntnisse") und dann hat er sein Leben umgekrempelt, hat sein Leben geändert und dann das begründet, was wir heute als Körperfeindlichkeit und Feindlichkeit gegenüber der Sexualität bezeichnen (er ist von einem Extrem zum anderen gegangen). Viele Stellungnahmen von heute beziehen sich nach wir vor auf ihn. - Und dies Prinzip von einem Extrem zum anderen kennen wir noch heute und wird immer wieder angewendet: Xy lebt irgendetwas aus, nachdem er es getan hat, will xy es grunsätzlich verboten haben..... - oder "verteufelt" es.
Und dann kam Papst Paul VI. mit seiner sogenannten Pillenenzyklika (Humanae vitae 1968). Sie war gedacht zum Schutze der Frau vor Missbrauch, Unterdrückung und Vergiftung. Sie war gedacht für einen schönen und rücksichtsvollen Umgang mit der Sexualität, mit der Einbettung der Sexualität in der Liebe und - wurde reduziert auf ein "Pillenverbot". (Die heutigen Antibabypillen sind in einer viel kleineren Dosierung als die damaligen Pillen und schützen die Frauen vielmehr.) Doch das Wesentliche dahinter ist die Frage der ständigen Verfügbarkeit der Frau: Papst Paul VI wollte die Sexualität eingebettet haben in Liebe und in gegenseitigem Respekt und Achtung - mit dem Schutz des eventuell entstehenden Lebens. Es geht nicht darum, dass "es" geschehen muss, wenn der Mann will. Nein, wenn beide es wollen in Freiwilligkeit. Die heutige Diskussion in der Schweiz wegen "JA" oder "NEIN" bei Sexualität in der Ehe, kann sehr viel in dieser Enzyklika lernen. So paradox es klingen mag: Papst Paul Vi ist hierin ein guter Argumentelieferant! 
Doch kommen wir zurück zur Frage am Anfang. Eigentlich wird die Kirche heute zu stark auf dieses Feld der Sexualität reduziert, statt hingewiesen auf die Kompetenz der Lebensgestaltung mit Respekt, Achtung und Liebe. - Es liegt an der Kirche hier wieder den Akzent zu setzen und dabei sich nicht in Detailfragen zu verlieren, sondern Grundsätze zu geben, damit ein jeder Mensch nach seinem Wissen und Gewissen (alte röm.kath. Lehre!) dies für sein Leben entsprechend umsetzt. 
Und so steht die alte Forderung im Raum: die Kirche hat die Aufgabe proaktiv das Leben zu fördern und in ihr der Liebe den richtigen Platz zu geben. 
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Kirche = toxisches System?

17/6/2022

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Wenn ich in den letzten Wochen die Berichterstattung in den Medien anschaue, dann schauert es mir. Personen, die von der röm.kath. Kirche bezahlt und angestellt sind, reden dermassen negativ von ihr, dass sich die Frage stellt, was das eigentlich soll?

Wohl gemerkt:
a. ich bin gegen jeden Missbrauch der geschieht: ob von der Kirche, von der Schule, in Vereinen, in der Familie
b. ich bin gegen Redeverbot
c. ich bin dafür, dass die Wahrheit auf den Tisch kommt und endlich darauf schnell und unbürokratisch reagiert wird.

​Doch bin ich dagegen, dass auf Grund von verschiedenen Fällen alles schlecht gemacht wird.
So wehre ich mich dagegen, dass die Kirche
- ein toxisches System ist - also ein vergiftetes System
- und ihre Mitarbeiter nur (!) Negatives machen
- Veränderungen nötig hat auf Grund der Missbrauchsfälle - Veränderungen sind unabhängig davon nötig (ecclesia semper reformanda)
- und alle ihre Mitarbeitenden in der Seelsorge vorverurteilt werden

Darum halte ich auch fest, dass
- mehr als 90% aller Fälle des Missbrauchs vor mehr als 20 Jahren geschehen sind und von den damals Verantwortlichen hätten aufgearbeitet werden müssen
- die heutigen Verantwortlichen, die damals oft nicht in der Verantwortung standen, nicht dafür verantwortlich gemacht werden dürfen

Die röm.kath. Kirche ist kein (!) toxisches System. Es sind bestimmte Verantwortliche die die grosse Mehrheit der Mitarbeitenden und Verantwortlichen in Misskredit bringen. Und es sind die heutigen Verantwortlichen, die dies auch klar stellen müssten. 
Unsere Kirche leidet nicht unter einem toxischen System. Sie leidet darunter, dass Personen, die sich engagieren und die Wahrheit benennen, nicht in Verantwortungspositionen berufen werden. Denn vor ihnen hat man Angst. 
Hier, ist die Bereinigung nötig! 

Das Bistum Chur ist ein schönes Beispiel hierfür: Hatte es Personen in seinem Führungsstab, die Rückgrat hatten - war das Bistum Chur führend und glaubwürdig. Hatte es nur Ja-Sager, war es schwach und desolat.
Die katholische Kirche an sich macht nicht krank. Es sind verschiedene Amtsträger, die Mitarbeitende krank werden lassen, weil nicht ehrlich gehandelt wird oder zur Verschleierung beigetragen wird.
Zu lange bin ich verantwortlich tätig in der röm. kath. Kirche um sagen zu dürfen: Unsere schöne Glaubensbotschaft macht gesund und kräftigt, wenn sie ernst genommen wird. Sie macht krank in der Botschaft für die "Kirche", wenn sie im Dienst des Karrieredenkens steht. 
Unsere Kirche braucht nicht "ständig-das-Negative-Suchende" und auch nicht "Karrieredenkende", sie braucht wieder Menschen, die sich für die Botschaft einsetzen und Rückgrat haben.
Zum Abschluss dies:
Vor vielen Jahren sprach ein Weihbischof aus Deutschland in Rom bei einer Veranstaltung mit dem Papst. Danach bekam er viel Applaus von den zuhörenden Bischöfen und Kardinälen. Und unter vorgehaltener Hand, die Bemerkungen: "Danke für dein Referat, wir stimmen zu, doch du weisst, dass deine Karriere damit beendet ist." - Das hat nichts mit Kirche zu tun, sondern mit Egoismus und Selbstdarstellung.
Die Kirche ist nicht toxisch - sie ist befreiend. Doch dies muss gelebt werden. So hat jeder Bischof seine Verantwortung für seine Ortskirche und seine Mitarbeitenden. Die Synode 72 hat es damals gezeigt, was möglich ist, wenn dies wahrgenommen wird. 
Reden wir vermehrt von der befreienden Botschaft Gottes, die die Kirche verkündet!

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Verantwortung? Sie übernehmen....

14/6/2022

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Manchmal ist es sehr erstaunlich wie Menschen sich um ihre Verantwortung drücken.
Als ich in der Vorbereitung des Gottesdienstes von heute die Bibelstelle 1 Kön 21, 17-29 gelesen hatte, wurde mir wieder mal bewusst, wie sehr die Verantwortung oftmals delegiert und abgeschoben wird. - Und dies wird nun schon seit Jahrhunderten so gepflegt.
Und immer wieder gibt es Personen - in der biblischen Erzählung ist es der Prophet Elija - , die andere darauf aufmerksam machen.
Gerade in der heutigen Zeit sind Menschen gefordert, die ihre Verantwortung wahrnehmen - nach entsprechenden Konsultationen usw. sich entscheiden und dann mit Rückgrat auch hinstehen und diese umsetzen. Wie Verantwortung nicht wahrgenommen wird, zeigt sich u.a. im Umgang mit negativen Ereignissen: Statt sie baldmöglichst und schnell aufzuarbeiten und zu benennen, wird hinausgezögert. Statt proaktiv zu handeln wird oftmals einfach reagiert - statt miteinander zu koordinieren wird ein kleines Schrittchen nach dem anderen begangen. 
Als bald klassisches Beispiel gilt dann hier z.B. der Umgang der Aufarbeitung mit den Missbräuchen in der röm.kath. Kirche: eine jede Bischofskonferenz hat einen anderen Zeitplan, ein jedes Bistum nochmals einen anderen. Und die Logik davon: den Betroffenen/Opfern wird nicht schnell genug geholfen und die Täter werden faktisch geschont - und die Kirche ist omnipräsent in den Medien mit dieser negativen Thematik. Und faktisch wird das Problem hinausgezögert, statt gelöst.
Verantwortung zu übernehmen heisst auch Grundsatzentscheidungen zu fällen und nicht einfach gerade auftretende "Lücken" zu stopfen, heisst Konzepte zu haben und sich hinzustellen. Auch hier die grosse Frage in der Kirche: Wie lösen wir die Frage des Weihemangels, des Seelsorgemangels, des KatechetInnenmangels - nur durch "Import" wird es nicht gehen. - So heisst es auch hier: Verantwortung zu übernehmen und neue Wege zu gehen.
Ob Kirche oder Gesellschaft: zu oft wird Verantwortung delegiert, wo nicht delegiert werden kann. Schade um die vielen verpassten Chancen.


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Die Idee ist nicht von dir!....

11/6/2022

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Letzthin durfte ich wieder mal ein Geschenk überreichen. Die Reaktion war als Erstes: "Danke vielmal, das ist aber schön. Die Idee hast aber nicht du gehabt!"
In der Zwischenzeit bin ich mir dies gewohnt. Doch frage ich mich immer wieder: Spielt es eine Rolle von wem die Idee ist?
Wenn ich unsere Welt- und Kirchengeschichte anschaue, dann muss ich mit erschrecken feststellen, wie viele gute Ideen nicht verwirktlicht und nicht umgesetzt werden - und alles nur, weil Person x die Idee hatte und nicht Person y.
Doch der Reiz des Lebens ist doch gerade das schöne Zusammenspiel und damit ein Abbau von Konkurrenz und Neid, sondern ein Miteinander und Füreinander in der Ergänzung.
Ich bin dankbar für die vielen Ideen, die andere Menschen haben und die ich dann aufnehmen und übernehmen kann. Es ist für mich auch eine Entlastung.
Nicht umsonst ist mein Lieblingstier das Eichhörnchen. Das wilde Eichhörnchen hat die schöne Tugend gesammeltes Essen zu vergraben. Wirklich essen, wird es dann später jedoch immer das, was ein anderes Eichhörnchen vergraben hat. - Und weil dies alle machen, funktioniert es sehr gut.
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Pfingsten

5/6/2022

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Bild
Was sehen Sie in diesem Bild? Die vielen Felsen? Den Himmel umrahmt von den Felsen - also das Loch? Den Himmel oben? Die Schwierigkeiten, die es zu überwinden gibt? Das Strahlen?
In diesem mir zugesandten Foto wird für mich Pfingsten sichtbar und erfahrbar in der Schöpfung. Die Welt ist wunderbar erschaffen und es liegt an uns, was wir daraus machen und ob wir die Schönheit sehen. Sehen wir nur das Kantige, Felsige, das uns stört? Oder sehen wir, wie der strahlende Himmel das Irdische erleuchtet und bestrahlt?
Pfingsten ist die ZWEITE ANTWORT. Pfingsten ist das Fest alles in einem neuen Licht zu sehen und damit die Kraft, die das Irdische erleuchtet und bestärkt. Pfingsten ist die Kraft, die Verstaubtheit auf die Seite zu legen, alles Dunkle vom Licht erstrahlen zu lassen und so die Schönheit des Lebens neu zu erfahren.
Pfingsten ist die Kraft den eigenen Charakter zu stärken und Rückgrat zu zeigen. Dies einzubringen zum Wohle der Mitmenschen und in der Beziehung zu Gott.
Pfingsten ist das Bewusstsein, wir können Verantwortung wahrnehmen im Dienste Gottes und wir brauchen viele Führungspersönlichkeiten, die sich tatkräftig der eigenen Verantwortung bewusst sind und sich engagieren. 
Pfingsten ist das Bewusstsein, dass jede Person sich das aneignet, was sie zum Mitdenken, Mitreden, Mitdiskutieren braucht und dies dann einsetzt. 
Pfingsten ist das Bewusstsein, dass eine Gesellschaft und Gemeinschaft nur vorwärts kommt, wenn sie sich vom Lichte Gottes und der Beziehung zu ihm - dem Himmel - beleuchten und erstrahlen lässt.
Und gerade dies braucht unsere Kirche in der heutigen Zeit um sich weiterzuentwickeln und wieder in der Gesellschaft voranzugehen und sich nicht mit sich selbst zu beschäftigen, sondern mit dem anvertrauten Leben. 
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In den himmel loben....

30/5/2022

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Ist Ihnen auch schon mal aufgefallen, wie Menschen manchmal in den Himmel hinaufgehoben mit vielen Lorbeeren, Komplimenten, Titeln, Erwartungshaltungen usw. ? Dabei geht die Realität oftmals vergessen und der Wunsch ist der Vater des Gedankens, jedoch nicht der Realität? Der Wunsch ist dann oftmals derjenige, dass das erreicht werden kann, was man selber will - und diese Person ist der/die grosse HoffnungsträgerIn. 
Und was geschieht dann?
Sobald jene Person nicht den Erwartungen entspricht und die eigenen Gedanken umsetzt oder eben das macht, wozu sie fähig ist - dann wird sie nicht unterstützt, sondern fallen gelassen und sogar demontiert.
Es erstaunt mich immer wieder, wie dieser alte Mechanismus auch heute noch in einer angeblich aufgeklärten Gesellschaft funktioniert und damit viele Projekte zerstört oder untergraben werden - ja sogar ganze Zukunftsperspektiven untergraben werden.
Wie sehr wünschte ich mir, dass seriöse Arbeit geleistet wird und da diese mit kleinen Schritten geschieht, sie auf der Basis geschieht von Menschen, die wirklich bereit sind für das Wesentliche sich einzusetzen und damit auch auszusetzen. Dies erfordert Grundwissen und fundiertes Engagement. Es erfordert die Fähigkeit zu Fehlern zu stehen und auf Fehler aufmerksam zu machen. Es erfordert die Fähigkeit Kritik einzubringen und Kritik anzunehmen, da die Einsicht vorhanden ist, dass niemand vollkommen ist. - Jedoch ist die Bereitschaft vorhanden sich für das anvertraute einzusetzen und nicht für die Befriedigung seiner selbst.
Leider sind in unserer Gesellschaft solche Menschen nicht erwünscht und nicht gefragt. Vielmehr gewünscht sind Menschen, die einfach JA sagen und kein Rückgrat zeigen; Menschen sind gefragt, die sich Sorge um ihre eigene Karriere machen - und nicht um der Sache willen.
So frage ich mich des Öfteren, wo sind unsere Führungspersönlichkeiten in der Politik und in der Kirche Schweiz, die sich wirklich hinstellen und die Führungsfunktion wahrnehmen? Wo sind jene Menschen, die wirklich vorangehen - oder wie es im Neudeutsch heisst: Proaktiv handeln? 
Leben wir nicht zu sehr von Menschen, die nur zu sehr damit beschäftigt sind zu reagieren und selbst dann sogar noch zaudern?
In der Kirche Schweiz zeigt sich dies z.B. in den grossen Fragestellungen, die in den Pfarreien sind. Viele Antworten wurden darauf schon gegeben in den Synodendokumenten von 1972 - also vor 50 Jahren! - Umgesetzt ist davon noch relativ wenig und wenn darauf hingewiesen wird, dann heisst es oftmals: die anderen müssen wollen. Wir brauchen Geduld usw. 
Oder anders ausgedrückt: Niemand will die Führungsaufgabe wahrnehmen, weil man sich nicht die Finger verbrennen will. Schade! 
Und so frage ich mich, ob Gott wirklich Freude hat an meinem Lieblingsgebet: "Lieber Gott, schenke mir Geduld - aber sofort!" - Vielleicht hätte er das Gebet lieber: "Lieber Gott, schenke mir die Kraft mich dafür einzusetzen, dass ich jetzt verändern kann, was schon jetzt veränderbar ist - und dies umzusetzen gegen alle Kräfte, die sich dagegen wehren!"
Und was lässt sich denn heute schon ändern in unserer Kirche? - Zumindest das Bewusstsein, dass Gott uns die Liebe geschenkt hat - auch in den Sakramenten - nicht als Belohnung, sondern als Kraft auf dem Lebensweg. Oder das Bewusstsein, dass Gott uns alles gibt um das Leben zu erleichtern und nicht zu erschweren mit weltlichen Gesetzen oder Regelungen. 
​Möge Pfingsten kommen mit seinem Heiligen Geist, der uns gesandt ist. 
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Frühlingsputz - schon gemacht?

20/5/2022

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Haben Sie den Frühlingsputz schon gemacht? In vielen Haushaltungen ist es üblich vor dem Sommer richtiggehend auszumisten, alles auf Hochglanz zu polieren, durchzulüften und dann die Wohnung/das Haus in neuem Glanz erstrahlen zu lassen.
Das Wesentliche des Frühlingsputzes ist, dass das ursprünglich Vorhandene wieder zum Tragen kommt. Es wird nichts hinzugefügt. Doch wird das auf die Seite gelegt und entfernt, was das Ursprüngliche verdeckt, zudeckt bzw. im wahrsten Sinne des Wortes "verstauben" lässt.
Gerne denke ich diesbezüglich auch an unsere Kirche und ich frage mich dabei, wann unser Frühlingsputz gemacht wird und wer dabei hilft.
Im II. Vatikanischen Konzil hat Papst Johannes XXIII sinngemäss mal gesagt: Macht die Fenster auf und lasst die frische Luft in die Kirche hinein. - Er hat zum Ausdruck gebracht, dass das Verstaubte entfernt werden soll und das Wesentliche wieder zum Tragen kommt und in seiner Kraft ausstrahlt.
Und dabei ist er den ganzen Weg gegangen und nicht in der Mitte stehengeblieben. Was ich damit meine? - Viele Gläubige sind der Auffassung, dass sie die Kirche reinigen wollen und dabei auf ihren Ursprung zurückgehen möchten. Dabei ist dann der "Ursprung" gesetzt im 16. Jahrhundert mit dem Tridentinum. Was damals festgelegt wurde, das soll wieder leuchten. Doch ist dies "nur" die Hälfte des Weges. 
Der Ursprung liegt in Jesus Christus und nicht im 16. Jahrhundert. Und er hat dabei keinen Formalismus gelehrt, sondern das Wesentliche des Lebens: Gott schenkt Liebe und wir Menschen sind eingeladen diese schöne Botschaft den Menschen zugänglich zu machen. Und diese schöne Botschaft wurde dann über Jahrhunderte hinweg immer auf die gesellschaftliche Situation versucht einzubringen. 
Es ist schade in den vielen heutigen Diskussionen feststellen zu müssen, dass willkürlich gesetzte Datumsgrenzen als "Ursprung" gesetzt werden. 
Nehmen wir als einfaches Beispiel die tridentinische Liturgie. Sie wurde im 16. Jahrhundert nachdem sie über Jahrhunderte hinweg immer mehr angehäuft, ergänzt wurde. Das darin enthaltene Hochgebet stammt aus dem 16. Jahrhundert. - Das älteste Hochgebet, das wir allerdings heute beten, stammt aus dem 2. Jahrhundert (ist damit also viel älter und ist die Grundstruktur des tridentinischen Hochgebetes).
So geht es mit vielen anderen Bereichen der kirchlichen Gemeinschaft: mit den Ämtern, den veränderten Formen der Sakramentenspendung, mit den Stellungen/Aufgaben von Menschen. 
Der Frühlingsputz wäre nötig in unserer Kirche, damit das Wesentliche wieder zum Tragen kommt und die Menschen wieder anspricht.
PS: Letzthin wurde ich gefragt wegen der Priestersoutane. Früher war dies Kleid ein Zeichen der Armut, der Bescheidenheit - und nicht ein Zeichen einer Sonderstellung, wie sie heute von etlichen präsentiert wird. 
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Muttertag - Danke

10/5/2022

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Am 2. Sonntag im Mai wird in der Schweiz der Muttertag begangen und dabei eine Wertschätzung gegenüber den Müttern ausgedrückt. In welcher Form dies geschieht, ist sehr unterschiedlich: Einladung, Blumen, Geschenke, eine Arbeit abnehmen, Verwöhnen, usw.
Immer wieder stellt sich dabei jedoch eine Grundsatzfrage: Es wird an diesem Tag etwas in das Zentrum gerückt, das alle anderen Tage als selbstverständlich angesehen wird - und deshalb immer wieder keine Wertschätzung erfährt.
Es wäre sehr zu wünschen, wenn das Muttersein 365 bzw. 366 Tage im Jahr jene Wertschätzung erhielte, die am Muttertag gefeiert wird. Schliesslich muss nicht von einem Extrem - der Feier - ins andere Extrem - der Nicht-Würdigung - gegangen werden.
Dabei erinnere ich mich gerne an eine Werbung, die vor vielen Jahren im Fernsehen lief. Die ging so:
Eine Mutter ging zur Bank und wollte einen Kredit. Die Bankfachperson hörte zu für was der Kredit sei und fragte was sie denn mache und was sie für Bürgschaften anbieten könne. Sie gab keine Bürgschaften an und ergänzte, dass sie Mutter sei. - Der Kreditantrag wurde abgelehnt. Enttäuscht ging die Mutter weg.
Einige Tage später ging die Mutter wieder zur Bank und fragte wieder nach einem Kredit. Auf die Frage für was, was für Bürgschaften sie anbiete und was sie denn von Beruf sei, gab sie die Antwort (in Klammer jeweils das eingestrahlte Bild): Ich bin in der Erziehungsbranche tätig (eingeblendet wie sie das Kleinkind erzieht), mache Konfliktmanagement (eingeblendet wie sie den Streit der Kinder schlichtet), bin in der Ernährungsbranche (sie ist am Kochen) und im Reinigungsbereich (Wohnzimmer reinigend). Kurz zusammengefasst: Ich leite erfolgreich ein KMU. - Nach den Bürgschaften musste sie keine Antworten mehr geben. Doch sie erhielt den Kredit.
→ Stellen wir das Licht nicht unter den Scheffel.

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Unsere Kirche - Selbstbeschäftigung?

30/4/2022

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In den letzten Wochen wurde und werde ich immer wieder nach unserer Kirche/Glaubensgemeinschaft gefragt. Oftmals ist dabei ein Bedauern feststellbar und manchmal sogar Mitleid.
Wenn ich dann die verschiedenen Bemerkungen sortiere und wieder "klar" denken kann, dann lassen sich folgende Punkte feststellen und festhalten:
a. Unsere Kirche beschäftigt sich viel zu gerne nur mit sich selber. Vergessen werden die Menschen für die die Kirche da ist.
b. Statt voranzugehen, hinkt die Kirche hintenher und sucht das "Gesicht" zu wahren. - Doch ist die grosse Frage, ob das "Herz" gewahrt wird.
c. Damit "nichts" getan werden muss, werden Kommissionen und Gruppen gebildet, die sich dann vielleicht 2x im Jahr treffen - und so wird automatisch Zeit verzögert.
Ich staune hierbei immer wieder und denke:
1. Vieles könnte schneller gehen, wenn alle zusammenarbeiten (auch über die Kantonsgrenzen hinweg). Warum muss z.B. jede Kantonalkirche in unserem Bistum ein eigenes Personalreglement haben, ein eigenes Besoldungssystem usw. - das Beste könnte doch von allen anderen übernommen werden und ..... ohne grosse Zeit zu verlieren, wären wir auf dem neuesten Stand. Die Gleichstellung der Alter bei den Erstkommunionen oder Firmungen (innerhalb der Pfarreien der Dekanate sind diese schon unterschiedliche - und wie soll dies glaubwürdig begründet werden?
2. Warum spielt das Karrieredenken so eine grosse Rolle: Ich sage lieber nichts, sonst komme ich nicht weiter. Fähige Personen, die sich einsetzen und damit aussetzen, werden fast an den Rand gedrängt.
3. Warum sehen wir nicht wieder das Wesentliche unserer Glaubensgemeinschaft und des Glaubens? Gott schenkt sich uns in seiner Liebe. Diese zeigt er uns in seinem Wort und in den Sakramenten: Unser aller Aufgabe ist dies weiterzugeben und zu vermitteln.
OSTERN heisst Auferstehung - heisst neues Leben, vorwärts auf der Basis des Göttlichen, des Schöpfergottes. Vielleicht fragen Sie sich, wo wäre dann anzusetzen? Hier ein paar Punkte:
A. Die Ausbildungen der zukünftigen Seelsorgenden zu Personen, die in Teams mit Fachpersonen arbeiten.
B. Die Vereinfachung unserer Strukturen: im Dienste des Menschen und nicht umgekehrt.
C. Die Frage der Sakramente und deren Spendung.
D. Weg vom Formalismus und hin zum Inhalt.
E. Das allgemeine Priestertum wie es im II. Vatikanum formuliert wurde ernst zu nehmen (und damit auch die Ergebnisse z.B. der Synode 72 im Bistum Chur und den anderen Bistümern)
F. Die Ehe- und Familienpastoral - inklusive dem Eheverständnis

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Wie von etwas reden?

25/4/2022

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Ist es Ihnen schon einmal aufgefallen, welchen Unterschied es ausmacht, wie von etwas geredet wird? - Es ist erstaunlich wie die Redeweise etwas ganz anders darstellen lässt. Nehmen wir als einfaches Beispiel das Essen:
Wer die Frage stellt: Was gibt es zum Essen? - Erhält vielleicht die Antwort:
Kartoffeln mit Wurst.
Was stellen Sie sich dann vor?

Und was denken Sie, wenn dies gesagt wird:
Rote Beete Salat nach Grossmutterart, Gummel aus glücklicher Erde, gegart in veganer Bouillon mit Lauchgemüse ganz normal. Dazu Saucisson vom Jungferkel aus eigener Jagd.

Es ist wie bei Vielem in unserem Leben: Wir dürfen das Wunderbare auch entsprechend betiteln und es wertschätzen. Entsprechend können wir auch davon in ausgeprägter Form reden und dies auch formulieren. 
Die meisten Kleinigkeiten des Lebens, sind keine Kleinigkeiten, sondern was Besonderes. Sie sind eine wesentliche Grundlage und verdienen eine Wertschätzung. Schauen wir dies in unserem Leben selber an und vielleicht verändern wir unsere Redeweise zum dem, was uns von Gott und den Mitmenschen anvertraut wird und wurde: die wunderbare Schöpfung, die Mitmenschen, ihre Talente und Fähigkeiten, das Leben, mein Dasein, meine Möglichkeiten, das schöne Dorf/die schöne Stadt, die Beziehungen, die Freundschaften usw. 
Die Art und Weise wie wir reden, drückt unsere Wertschätzung und Dankbarkeit aus. 

Sie finden hier das Foto des oben beschriebenen Essens.
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Kurt  Vogt
röm.kath. Priester
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